| SAP im Internet - Ein Überblick
von Thomas Hönicke 1998 |
1. Einleitung
1.1 Entwicklung des Internets Die Wurzeln des Internets reichen bis ins Jahr 1969. Während in Woodstock die "Love&Peace- Generation" noch feiert, entsteht unter Federführung des amerikanischen Militärs ein aus heutiger Sicht kleines Telefonnetz, das einige wenige Forschungseinrichtungen für den schnellen Informationsaustausch verbinden soll. Die Vorteile des Austausches von Forschungsdaten spricht sich schnell herum und so schließen sich immer mehr Universitäten an das Netz an.In der Schweiz wurde 1989 ein neuer Internet-Dienst zur Verteilung von Multimedia-Daten (Text, Grafik, Ton) - das World Wide Web - entwickelt. Über das World Wide Web (WWW) wurde das Internet populär und bald auch für die Wirtschaft als Werbeträger interessant.
| Was ist das Internet: Für den Techniker sind es kilometerlange Leitungen und Tausende von Netzwerken, die miteinander kommunizieren. Für den World Wide Web Benutzer stellt es die Gesamtheit an Informationen dar, die man aus dem Netz abrufen kann (oft hört man: "Ich schau mal im Internet nach") |
1.2.1 IP-Adresse
Für das Internet gibt es keine zentrale Verwaltungsstelle bei der die Struktur der Rechnervernetzung bzw. die angebotenen Inhalte bestimmt werden. Im Prinzip kann jeder seinen Rechner an das Internet anschließen und Informationen dem Rest der Welt zur Verfügung stellen. Bedingung ist lediglich, daß man sich eine eindeutige Adresse (IP-Adresse) von einer zentralen Stelle zuweisen läßt. Mit dieser IP-Adresse kann der Rechner weltweit eindeutig im Internet identifiziert werden.Beispiele: 207.158.216.11 IP-Adresse vom PAS Internet Server
1.2.2 Domain Name
Da es ziemlich schwer ist sich die 4-stellige IP-Adresse zu merken, wurden den IP-Adressen sprechende Namen zugeordnet. Mit dem sogenannten Domain Name Service wird diese Zuordnung verwaltet.Beispiel: 207.158.216.11 entspricht www.pas-gmbh.com
Um den PAS-Server im Internet zu erreichen, kann man also entweder www.pas-gmbh.com oder 207.158.216.11 im Browser
eingeben. Man gelangt in beiden Fällen direkt auf die PAS Homepage.

Abb. 1: Client/Server Struktur des WWW
2. Entwicklung von Internet-Anwendungen
2.1 HTML - HyperText Markup Language
Durch die Dokumentenbeschreibungssprache HTML (Hyper Text Markup Language) ist es möglich, unabhängig vom eingesetzten Betriebssystem (z.B. DOS, Windows, UNIX), Dokumente über das Internet zur Verfügung zu stellen.
Das Wort "Beschreibungssprache" trifft hier den Kern. Das Aussehen des Dokuments wird auf einer sehr globalen Ebene beschrieben. Es wird z.B. nicht festgelegt welche Schriftart und Schriftgröße für eine Überschrift verwendet werden soll, sondern es wird lediglich definiert, daß es sich um eine Überschrift handelt. Der sogenannte Browser (z.B. Netscape, Microsoft Explorer oder früher auch Mosaik) weist den Textzeilen erst die Schriftformate zu. Da es hier keinen echten Standard gibt, führt dies dazu, daß die Internetseiten je nach eingesetzten Browser unterschiedlich aussehen.
Als Kostprobe das obligatorische "Hello World" in HTML:
| <HTML> <HEAD><TITLE>PAS Organisationsberatung</TITLE> </HEAD> <BODY> <H1>Hello World ! </H1> </BODY> </HTML> |
Die meisten Befehle in HTML bestehen aus Start- und End-Befehl (z.B. <BODY> und </BODY>).
2.2 Programmierwerkzeuge
Es wäre sehr kompliziert und aufwendig, komplexe Seiten durch direktes Editieren in HTML zu erstellen. Hierfür gibt es diverse Tools und Programmierwerkzeuge, die eine visuelle Erstellung von HTML Seiten erlauben.Microsoft Office Wizards
Mit MS-Office 97 werden Erweiterungen ausgeliefert, die es ermöglichen eine Winword Datei direkt in HTML zu speichern.
HTML Editoren
Eine sehr einfache und flexible Methode zur Erstellung von WEB-Seiten ist die Verwendung von visuellen HTML Editoren (z.B. MS FrontPage oder HotMetal).
3. SAP@WEB Im folgenden Kapitel soll ein kurzer Überblick über die technische Anbindung des SAP-Systems an das Internet gegeben werden. Die Internetanbindung steht ab SAP Release 3.1G zur Verfügung. Für die Anbindung ist ein Windows NT 4.0 Rechner erforderlich.3.1 Der Internet Transaction Server (ITS)
Die Terminologie des SAP Systems (Transaktionen, Bildschirmsteuerung) und die des Internets sind grundverschieden. Für die Kopplung der beiden Welten wurde der Internet Transaction Server (IST) von SAP entwickelt, der die Kommunikation zwischen Internet und SAP-System regelt.
Der Internet Transaction Server ist in zwei Komponenten aufgeteilt.
3.2 WGATE - Web Gate Das Web Gate wird direkt an den WEB-Server angekoppelt und muß immer auf dem gleichen Rechner wie der WEB-Server laufen. Das WGATE hat lediglich eine Broker-Funktion. Die angeforderten Seiten werden an das AGATE weitergereicht, die HTML-Seiten des AGATEs werden entgegengenommen und an den WEB-Server zurückgeschickt.3.3 AGATE - Application Gate
Im Application Gate werden die Anfragen aus dem Internet in Funktionsaufrufe umgesetzt und die Antworten aus dem SAP-System in HTML-Dateien konvertiert.Die Trennung des ITS in diese beiden Komponenten hat folgende Vorteile:
BAPIs sind Funktionsbausteine, die in Eigenentwicklungen verwendet werden können.
3.5 HTML Business
Für die Umsetzung der SAP-Daten in HTML-Seiten werden HTML-Templates verwendet. Hierbei handelt es sich um HTML-Dateien mit SAP spezifischen Platzhaltern. Diese Platzhalter werden vom AGATE mit den SAP-Daten ersetzt und als reine HTML-Dateien an das WGATE geschickt.Hier ein Beispiel eines HTML Business Templates:
| <HTML> <HEAD><TITLE>PAS Organisationsberatung</TITLE> </HEAD> <BODY> <H1> `KNA1-LIFNR` </H1> </BODY> </HTML> |
| <HTML> <HEAD><TITLE>PAS Organisationsberatung</TITLE> </HEAD> <BODY> <H1> 4711-0815 </H1> </BODY> </HTML> |
4. Ausblick
Die Öffnung zum Internet wird die Systemlandschaft des klassischen SAP Systems enorm verändern. Durch das Internet erweitert sich die Anzahl der möglichen Nutzer eines SAP Systems auf eine nicht planbare Größe. Die zukünftigen SAP-Nutzer können in folgende Gruppen eingeteilt werden:
Fach User
Die Fach-User werden sich auch zukünftig kaum von den heutigen Systemnutzern unterscheiden. In den klassischen Fachfunktionen wie z.B. Buchhaltung und Kostenrechnung wird weiterhin ein komfortabler und leistungsfähiger SAPGUI im Einsatz sein. Information User Anders wird es bei Anwendern aussehen, die das System nur sporadisch nutzen. Hierunter fallen z.B. Mitarbeiter in der Produktion für Rückmeldungen, Kostenstellenleiter für Reportingzwecke oder Werkstattmitarbeiter für die Stundenerfassung. Der Schulungsaufwand sowie die Kosten für SAP Nutzer wäre für die angeforderte Information nicht gerechtfertigt. Vielmehr kann man sich vorstellen, daß über einen Internet Browser auf diese Informationen zugegriffen werden kann. Die Bereitstellung der Informationen ist nicht auf SAP beschränkt. So könnten z.B. auch Forschungsdaten aus speziellen Anwendungen unter der gleichen Benutzeroberfläche zur Verfügung gestellt werden. Internet User Die Internet User stellen zwar den geringsten Informationsbedarf, dafür läßt sich die Anzahl dieser Nutzer aber schwer schätzen. In diesem Bereich müssen sicherlich noch Erfahrungen gesammelt werden um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.Sicherlich gilt jedoch, daß die Fähigkeit eines Unternehmens für das Internet bereit zu sein, den Unternehmenserfolg wesentlich mitbestimmen wird.
Stand: 20.09.00